Pflegemindestlohn & Co – ein kurzer Einblick in die Mindestlöhne

Seit dem 01.08.2010 gibt es einen Pflegemindestlohn in der Altenpflege. Damit ist die Pflege eine von 13 Branchen, die einen Branchenmindestlohn hat, den Arbeitgeber*innen auf jeden Fall zahlen müssen. Nun wurden die Löhne noch mal angehoben! Alles dazu hier in Kürze auf Jobbuzz.

Der Pflegemindestlohn gilt für (fast) alle

Der Pflegemindestlohn ist eine verbindliche, unterste Lohngrenze für Angestellte in der Pflege. Er wurde von den Tarifpartner*innen ausgehandelt und anschließend u.a. durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für die gesamte Branche als allgemeinverbindlich erklärt (-> Allgemeinverbindlicherklärung). Deshalb gilt der Pflegemindestlohn nicht nur in Unternehmen, die einen Tarifvertrag haben, sondern auch für alle anderen Unternehmen der Pflegebranche.

In privaten Haushalten, z.B. in einigen Wohngemeinschaften gilt der Pflegemindestlohn nicht. Es muss sich um einen Pflegebetrieb im Sinne des Arbeitnehmerentsendegesetzes handeln.

So hoch ist der aktuelle Pflegemindestlohn

Am 28. Januar 2020 wurden neue Mindestlöhne in der Pflege beschlossen, der in den drei Berufsgruppen unterschiedlich ausfällt (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Stand: Januar 2021). Der festgelegte Pflegemindestlohn hat eine Laufzeit vom 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2022 und fällt für die drei Berufsgruppen unterschiedlich hoch aus und startet zu verschiedenen Zeitpunkten.

Pflegehelfer*innen mit Weiterbildung (z.B. Pflegebasiskurs)

Ab 1. Juli 2020 bekommen sie einen Stundenlohn von 11,60 €. Es kommen weitere 20 cent zum 01.04.2021 dazu, nochmals 20 cent ab dem 01.09.2021 und ab dem 01.04.2022 beträgt der Pflegemindestlohn 12,55 €.

Pflegehelfer*innen mit einer Ausbildung von 1-2 Jahren

Die Regelung gilt für qualifizierte Pflegehelfer*innen erst ab dem 01.04.2021. Dann bekommen sie 12,50 € die Stunde. Ein Jahr später ab 01.04.2022 sind es 13,20 €, also 5,6 % mehr.

Pflegefachkräfte mit Ausbildung von mind. 3 Jahren

Die Fachkräfte erhalten ab 01.07.2021 15 € pro Stunde. Ab dem 01.04.2022 sind es 2,7 % mehr, also 15,40 €.

Drücken wir die Daumen, dass der Pflegemindestlohn auch zukünftig weiter ansteigt, um die Angestellten der Pflege wertzuschätzen!

Hier findet ihr tariforientierte Stellen auf Jobbuzz. Vielleicht ist ja deine zukünftige Stelle dabei.

Weitere Benefits

Die Verhandlungen haben neben dem Gehalt noch weitere Vorteile für Angestellte in der Pflege gebracht: Bislang galt der gesetzliche Urlaubsanspruch von 20 Tagen pro Jahr. Doch künftig gibt es einen Anspruch von 25 bzw. 26 Tagen Urlaub pro Jahr. Das ist ein toller Fortschritt.

Und die Ost-/West Mauer wird zumindest in der Pflege endlich im Gehalt abgebaut. Die unterschiedlichen Pflegemindestlöhne in Ost- und Westdeutschland werden mit dem neuen Beschluss zu einem einheitlichen, bundesweit geltenden Mindestlohn vereinheitlicht. Das wurde auch wirklich Zeit nach über 30 Jahren Mauerfall…

Der Branchenmindestlohn ist nicht der gesetzliche Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn stellt die unterste Lohngrenze für alle Beschäftigten in Deutschland dar. Dies regelt die Mindestlohnkommission durch Rechtsverordnung der Bundesregierung. Seit dem 01.01.2021 liegt er bei 9,50 € die Stunde. Bis zum 01.07.2022 wird er schrittweise auf 10,45 € angehoben. Zum Vergleich: 2022 liegt der Pflegemindestlohn für ungelernte Pflegehelfer*innen bei 12,55 €, also um 2,10 € höher. Da kommt am Monatsende schon ein kleines Sümmchen zusammen…

Von einigen Seiten wird der gesetzliche Mindestlohn als „völlig unzureichend“ scharf kritisiert, da er viel zu niedrig angesetzt sei. Der Paritätische forderte 2018 einen Mindestlohn von mindestens 12,63 €, um Armut im Alter zu vermeiden:

„Dieser Mindestlohn schützt nicht vor Armut“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Zusätzlich gibt es beim gesetzlichen Mindestlohn viele Ausnahmeregelungen, bei denen eben doch kein Mindestlohn bezahlt wird. Betroffen sind z.B. minderjährige Beschäftigte, Langzeitarbeitslose und viele Flüchtlinge. Hingegen gibt es für den Pflegemindestlohn kaum Ausnahmen. Außer Azubis bekommen ihn alle Angestellten in der Pflegebranche, wenn sie in einem Pflegebetrieb im Sinne des Arbeitnehmerentsendegesetzes arbeiten.

Neben dem Pflegemindestlohn gibt es etliche weitere Branchenmindestlöhne. Insgesamt 13 Branchen haben aktuell einen eigenen Mindestlohn, die hier übersichtlich zusammengestellt sind. Dazu zählen die Gebäudereinigung, das Baugewerbe und Aus- & Weiterbildungsdienstleistungen. Somit kann der Branchenmindestlohn dem Lohndumping einiger Unternehmen im Privatsektor ein Ende setzen. Aber: Es gibt immer noch einige Branchenmindestlöhne, die unter den vom Paritätischen Wohlfahrtsverband geforderten 12,63 € liegen wie z.B. die Abfallwirtschaft mit 10,25 € die Stunde. Es gibt also noch viel nachzuverhandeln!

Gehalt, News

guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments