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Das FAQ der Tarifverträge – Wissenswertes zum Tarifvertrag

In diesem Beitrag beantworten wir die häufigsten Fragen zum Tarifvertrag kurz und knapp.

Der Tarifvertrag besteht aus zwei Teilen. Im normativen Teil werden die Arbeitsbedingungen der Mitglieder (Arbeitnehmende) geregelt:

  • Gehalt bzw. Lohn, Vergütung von Auszubildenden
  • Leistungszulagen
  • Arbeitszeit
  • Arbeitsschutz
  • Urlaubsanspruch
  • Entgeltfortzahlung bei Krankheit
  • Sozialleistungen, z.B. Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Kündigungsfristen, Kündigungsschutz und Entlassungen

Im obligatorischen Teil stehen Eckdaten der Tarifpartner*innen wie die Laufzeit des Tarifvertrages (meistens maximal zwei Jahre), die Friedenspflicht (siehe „Welche Vorteile haben Tarifverträge für Arbeitgebende?“) und die Kündigungsfrist für den Tarifvertrag.

Sie werden auf Arbeitnehmerseite von der zuständigen Gewerkschaft verhandelt. Auf Arbeitgeberseite ist es der Arbeitgeberverband oder der Betrieb selbst.

Ein wichtiges Ziel von Tarifpolitik ist der Schutz von Beschäftigten. Die Funktion soll unter anderem durch faire Arbeitsbedingungen und der Sicherung eines gewissen Lebensstandards erreicht werden. Aber auch Betriebe haben durch Tarifverträge viele Vorteile, wie z.B. eine gute Planbarkeit. Wer mehr zu den Funktionen wissen möchte, findet bei ver.di weitere Infos.

Mitglieder der Gewerkschaft bzw. Tariforganisation haben automatisch Anspruch auf tarifliche Leistungen. In der Praxis erhalten auch viele Nicht-Mitglieder den Anspruch. Teilweise möchten Arbeitgebende so vermeiden, dass die Gewerkschaften durch viele Mitglieder zu stark werden. Ein rechtlicher Anspruch besteht aber nicht, wenn man nicht Mitglied ist.

  1. Branchentarifvertrag: Er gilt für eine gesamte Branche, wie z.B. der Pflege.
  2. Firmen- bzw. Haustarifvertrag: Dieser wird innerhalb eines einzelnen Betriebs ausgehandelt.
  3. Flächen- bzw. Verbandstarifvertrag: Der Vertrag ist für Regionen gültig, entweder ein Bundesland, mehrere Bundesländer oder ganz Deutschland.
  4. Mantel- bzw. Rahmentarifvertrag: Dies ist der normative Teil (siehe „Was steht im Tarifvertrag?“), in dem die Arbeitsbedingungen geregelt werden.
  5. Entgelt- bzw. Vergütungstarifvertrag: Hier wird die Vergütung geregelt.

Laut GEW gibt es in Deutschland mehr als 77.000 Tarifverträge. Schauen wir uns die Verteilung in Berlin an, dann finden wir folgende Tarifbindung der Unternehmen (Stand 2018, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung):

  • Branchentarifverträge (25 % in Deutschland): Ostberlin 17 %, Westberlin 27 % (kleine Fußnote: Unfassbar, dass die Mauer immer noch steht…)
  • Firmentarifvertrag (2 % in Deutschland): Ostberlin 3 %, Westberlin 2 %

Es gibt somit viele Betriebe ohne Tarifvertrag (73 % in Deutschland). Jedoch orientieren sich knapp ein Drittel daran:

  • Orientierung an einem Tarifvertrag (30 % in Deutschland): Ostberlin 29 %, Westberlin 30 %.

Normalerweise findet man die Verträge auf der Webseite der Unternehmen, Verbänden oder Gewerkschaften. Außerdem gibt es vom statistischen Bundesamt eine Tarifdatenbank. Darin können kostenfrei viele Infos online abgerufen werden.

Hier möchten wir ein zwei – aus unserer Sicht – starke Vorteile nennen:

  1. Wer nach Tarif bezahlt wird, hat in der Regel die Garantie: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Bei individuellen Arbeitsverträgen laufen viele Arbeitnehmenden Gefahr, dass Lohn, Arbeitszeit und Anspruch auf Urlaub willkürlich festgelegt werden. Und wer nicht gut verhandeln kann, schneidet meist schlecht ab.
  2. Ein Tarifvertrag ist oft ein Ausdruck von gelebter Partnerschaftlichkeit. Beschäftigte können sich auf die Arbeitsbedingungen im Großen und Ganzen verlassen und von wirtschaftlichen Entwicklungen in der Branche profitieren. Insbesondere der hohe Kündigungsschutz ist ein großer Vorteil. Sicherheit und Transparenz sind hierfür wichtige Werte.

Hier möchten wir ein zwei – aus unserer Sicht – relevante Nachteile nennen:

  1. Die Arbeitsbedingungen sind im laufenden Vertrag nicht verhandelbar. Das heißt beispielweise Gehaltsverhandlungen sind nicht möglich. Wer auf eine Lohnerhöhung angewiesen ist, hat leider keinen Spielraum dafür. Außerdem sind keine Streiks in dieser Zeit zulässig, denn es herrscht die Friedenspflicht (siehe „Welche Vorteile haben Tarifverträge für Arbeitgebende?“).
  2. Das Verhandlungsgeschick der Gewerkschaften ist beim Aufsetzen neuer bzw. fortlaufender Verträge sehr wichtig. Es gab Fälle, in denen ein neuer Tarifvertrag Verschlechterungen für Arbeitnehmende mit sich brachte. Die Beschäftigten mussten rückwirkend Teile des Gehalts zurückzahlen, was richtig ärgerlich ist.

Betriebe profitieren vor allem aus der guten Planbarkeit mithilfe der einheitlichen Arbeitsbedingungen. Die Kosten der Arbeit sind gut kalkulierbar. Wesentlich ist insbesondere die Friedenspflicht, d.h. Beschäftigte dürfen nicht streiken, während ein verbindlicher Tarifvertrag läuft. So bleiben Betriebe insgesamt gut wettbewerbsfähig.

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